Pünktchen´s Geschichte
Im November 2006 erzählte meine Schwiegermutter, dass sich bei uns ein Kätzchen herumtreibt, das recht zahm ist und von der Rest-Familie gefüttert wird.
Da es sich nur im Dunkeln zeigte, habe ich es in der ersten Zeit nur einmal von Weitem gesehen und erkennen können, dass es sich um eine Schildpatt-Katze handelt. Eines Abends rief uns die Schwiegermutter zu sich in die Waschküche - da saß die Kleine ganz brav vor einem gut gefüllten Futternapf und guckte uns  mit großen Augen an. Sie ließ sich von mir gleich streicheln, doch welch ein Schreck: sie hatte einen faustgroßen, wunden Klumpen am rechten Vorderbein. (Meine Schwiegermutter hatte absichtlich das Waschküchenfenster offen gelassen, um ihr ein warmes Plätzchen zu bieten) Wir suchten sofort unseren Transportkorb, schnappten die Kleine, die sich widerstandslos in die Kiste schieben ließ, und fuhren zu unserer Tierärztin. Wir dachten eigentlich, dass es „nur“ eine große entzündete Wunde sei, vielleicht durch einen Unfall verursacht. Aber auch die TÄ war sehr erschrocken .... Sie schätzte das Kätzchen auf ca. 10-12 Jahre, ein Mädchen, wahrscheinlich (hoffentlich!!!) kastriert,  aber ohne Tätowierungen und Chip. Tja, was tun? Die TÄ war ratlos und konnte nur mit den Schultern zucken. Sie sagte, der Klumpen sei ein bösartiger Tumor (Fibrosarkom), der nicht operiert werden könne, er sei zu groß und zu nah am Knochen. Wir könnten nur abwarten (bis sie stirbt ....). Mit dieser  niederschmetternden Nachricht sind wir nach Hause. Ich war fix und fertig - vor allem als ich unsere zufrieden schlafende Bella beobachtete, die bei uns  ein so behütetes Leben führt, konnte ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten.
Mir ließ dies nun alles keine Ruhe, man konnte das Kätzchen doch nicht einfach seinem Schicksal überlassen. Außerdem musste es doch von jemandem  vermisst werden - oder? Am nächsten Morgen rief ich alle Tierheime, Tierärzte und Polizeistationen hier in der Gegend an. Nirgends wurde ein  Schildpatt-Mädchen gesucht .... Ebenfalls sprach ich mit der Tierschutzbeauftragten unserer Gemeinde und machte deutlich, dass ich die Meinung  unserer TÄ nicht akzeptieren könne und mit „Pünktchen“ (den Namen hatte mein Mann ihr inzwischen gegeben) noch zu einem weiteren Tierarzt gehen möchte. Die Tierschutzdame empfahl mir eine Tierärztin, die sich auf kompliziertere Fälle spezialisiert hat und auch hier ganz in der Nähe  ihre Praxis hat. Wir unterhielten uns noch über die möglichen Kosten und wie wir dies am besten handhaben sollten. Am nächsten Tag meldete sich die Dame bei mir, um mitzuteilen, dass der Tierschutzverein die Kosten übernehmen würde und wir als Pflegestelle  fungieren sollten.

Inzwischen hatten wir die Waschküche für Pünktchen noch etwas wohnlicher eingerichtet, doch seltsamerweise wollte sie sich nie in die weichen Kissen kuscheln, sondern saß lieber auf dem harten Heizungskessel. Dort hat ihr anscheinend die Wärme gut getan. Sie ließ sich mit Begeisterung beschmusen  und sogar bürsten. Durch die Krankheit war sie nicht mehr in der Lage gewesen sich selbst zu putzen, und die ganze Aufmerksamkeit und Pflege genoss sie sichtlich.

Das Fenster ließen wir weiterhin offen, morgens und abends wartete sie ungeduldig auf uns und ihr Fressen. Es war unglaublich, welche  Mengen diese kleine Katze verschlingen konnte. Gleichzeitig war sie so freundlich und wohlerzogen, ein richtiges kleines Engelchen. Dann hatten wir also den Termin bei der anderen TÄ. Eine sehr professionell eingerichtete, schicke Praxis mit einer „handfesten, rusitkalen“ Ärztin, die  trotzdem sehr liebevoll mit den Tieren umgeht.  Auch sie war total geschockt, als sie den stinkenden Klumpen sah. So etwas hätte sie noch nie gesehen .... Sie redete nicht drumherum, sondern sagte gleich: „Allein schon aus ethischen Gründen müssen wir das Beinchen schnellstmöglich amputieren. Man kann ein Tier so nicht rumlaufen lassen“. Sie war außerdem wie auch wir der Meinung, dass Pünktchen wegen der Krankheit ausgesetzt wurde... Was für Menschen! Den OP-Termin bekamen wir für die darauf folgende Woche. Ich war wahnsinnig aufgeregt und musste oft weinen. Pünktchen hat mir schrecklich leid getan.  Sie hatte inzwischen so viel Vertrauen zu uns, sie war einfach nur lieb und dankbar.

Am Tag der OP bin ich nicht arbeiten gegangen und habe Pünktchen zusammen mit meiner Nichte um 9 Uhr zur TÄ gefahren. Um 13 Uhr sollte ich anrufen.  Die Stunden des Wartens waren schrecklich! Punkt 13 Uhr rief ich in der Praxis an. Die Ärztin war gleich am Telefon und sagte mir, dass die OP gut verlaufen sei, Pünktchen hätte keine weiteren Metastasen und mache auch sonst einen gesunden Eindruck. Sie könnte ohne Weiteres noch ein paar schöne Jahre vor sich haben. Ein riesiger Stein ist mir vom Herzen geplumpst! Wir vereinbarten, dass wir das Mäuschen am nächsten Tag besuchen könnten und zum Wochenende dann abholen dürften.
Die Waschküche wurde nun zum Krankenlager umgerüstet und Pünktchen kam Freitags wieder nach Hause. Es war das komplette Bein samt Schulter abgenommen worden. Sie hatte eine große geklammerte Naht  - der Anblick war aber weniger schlimm als angenommen. Sie machte einen recht  munteren Eindruck mit unvermindertem Appetit.

Armes Pünktchen.......:((((((

Tagsüber war sie nun bei geschlossenem Fenster in der Waschküche, abends holten wir sie zu uns ins Haus. Sie saß wie die Diva auf unserem kleinen Sofa im Esszimmer und beobachtete jede unserer Bewegungen. Bella war natürlich nicht sehr erfreut - sie ist ohnehin wenig katzenkontaktfreudig, sondern ein wildes Tiger-Mädchen. Pünktchen dagegen war kaum an Bellas  Anwesenheit interessiert. Selbst Gefauche und Gebrummel ignorierte sie völlig. Die Nächte verbrachte sie nun in unserem Haus, mit Vorliebe in meinem   Kleiderschrank. Die TÄ hatte uns nach der OP gebeten, darauf zu achten, dass Pünktchen nicht an der Naht  herumknabbert oder sich kratzt. Da wir dies nie beobachteten, verzichteten wir meistens darauf, ihr den blöden Trichter anzuziehen. Leider hatte sich dann doch unbemerkt eine Entzündung gebildet. Die TÄ war richtig sauer, und ich machte mir die größten Vorwürfe, es bestand sogar Lebensgefahr. Tagelang waren wir jeden Abend in der Praxis, um die Wunde spülen zu lassen. Zu guter Letzt ist mein Mann alleine hin gefahren, weil ich es einfach nicht mehr mit ansehen konnte. Pünktchen aber war die ganze Zeit bemerkenswert gelassen! Während dieser spannenden Wochen ging es mir ziemlich schlecht - ständige innere Unruhe, schlaflose Nächte. Ein zusätzlicher Aspekt meiner Probleme, war Bellas Verhalten. Sie hatte begonnen, mich anzuknurren und nach mir zu schlagen. Auch wollte sie bei uns nicht mehr fressen oder in unserem Bett schlafen. Zum Glück konnte sie zum Fressen zur Schwiegermutter ausweichen - hungern musste sie also nicht. Diese Situation war für mich wirklich sehr belastend - Bella ist doch schließlich meine geliebte, eigensinnige Knuffelmaus .... Am 15. Dezember wurde Pünktchen schließlich für gesund erklärt. Puhhhh!

Anfang Januar war die Tierschutzdame bei uns, um Pünktchen zu besuchen und sie uns - symbolisch gesehen - zu überreichen. Sie "gehört" nun uns – keiner kann sie uns wieder wegnehmen :-) Da die Tierarztkosten recht hoch waren, leisteten wir mit einer Spende einen kleinen Ausgleich, außerdem bin ich jetzt Mitglied im Tierschutzverein. Leider ist Pünktchen eine richtige Stubenhockerin. Wer weiß, welch schlimme Erlebnisse sie auf ihrem Weg zu uns hatte. Sie ist einfach nur glücklich, sich nicht mehr durch das feindliche Leben schlagen zu müssen und stets einen gut gefüllten Napf vorzufinden.... Wir würden uns aber freuen, sie würde draußen ein bisschen herumstromern und die Umgebung kennenlernen (und die weite Welt als Katzenklo!).  Den Weg durch das Labyrinth der Katzenlöcher und -klappen in unser Haus hatte sie beim ersten Zeigen schon begriffen - die umgekehrte Richtung interessiert sie nicht ;-) Sie ist nach spätestens 10 Minuten wieder auf "ihrem" blauen Sofa (Bella war in den ganzen Jahren noch nie (!!!) darauf gelegen) im Esszimmer. Wenn ich merke, dass sie auf´s Klo muss, trage ich sie manchmal raus in die Scheune/den Stall. Dort hätte sie alle Möglichkeiten, ungestört "ihr Geschäft" zu verrichten. Doch noch bevor ich mich richtig umdrehe, ist sie an mir vorbei wieder ins Haus geflitzt und sitzt mit erleichtertem Gesichtsausdruck auf ihrem Katzenklo :-) Sie scheint selten müde zu sein, sie ist immer am Beobachten - naja, sie hat vom Sofa aus auch den besten Blick auf ihre Fressnäpfe ... Es ist manchmal schon unheimlich, ständig von ihren großen Augen verfolgt zu werden. Wenn ihr dann irgend etwas in den Sinn kommt, ist sie plötzlich ganz aufgeregt und muss eilig rennen und springen. Dann stoppt sie abrupt und guckt etwas ratlos. An was wird sie dann denken? Erinnert sie sich an ihre Vergangenheit, fehlt ihr etwas? Ach, wenn sie doch nur reden könnte!

Aber sie redet doch - kann eine Katze besser ihr Wohlbefinden ausdrücken??????:))))))))

 


Bella hat sich inzwischen ein wenig an die Stiuation gewöhnt. Sie frisst wieder bei uns im Haus, allerdings weeeeeeeeeit weg von dem kleinen Monster
- Madame zieht es vor, im Wohnzimmer ihre Speisen serviert zu bekommen :-), wo ihr Pünktchen bisher kaum in die Quere läuft. Abends vor dem Fernseher liegt
sie wieder gerne schnurrend auf meinen Beinen, im Bett schläft sie wieder in meiner Nähe. Ab und zu werde ich noch angeknurrt, es hält sich aber in
Grenzen. Seit Bella erneut bei uns schläft, kommt Pünktchen leider nicht mehr ins Schlafzimmer. Sie könnte ja weiterhin in meinem Schrank schlafen.
Schade!
Manchmal denke ich, dass sie schon ganz gerne Kontakt zu Bella hätte, doch diese duldet leider keinerlei Annäherungsversuche. Bei einer solchen
Gelegenheit durften wir übrigens erleben, dass auch Pünktchen fauchen kann :-) 

Das ist die schöne Bella


Wir hoffen jetzt auf den Frühling, wenn bei uns abends und an den Wochenenden immer alle Türen offen stehen. Vielleicht ergreift Pünktchen
dann die Gelegenheit, die Freiheit ein bisschen zu genießen.
 
Unsere größte Freude wäre, beobachten zu dürfen, dass Bella und Pünktchen gemeinsam über die Wiesen springen.....

Sie hätten ja Platz genug - wie man hier sieht...

 

                 Das ist ein Katzenleben - danke Romy!